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Dem Denken von Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise stellen sich ungeheure Hindernisse in den Weg. Die lückenlose Dichte kapitalistischer Vergesellschaftung errichtet in einem jeden Insassen der globalen kapitalistischen Tretmühle ein regelrechtes Gedankengefängnis. Wenn es kein nicht-kapitalistisches "Außen" mehr gibt, wenn alle Gesellschaftsfelder und Nischen bis hin zur Subkultur von dem kapitalistischen Kosten-Nutzen-Kalkül okkupiert sind, dann gewinnt der berüchtigte "stumme Zwang der Verhältnisse" den Anschein eines Naturverhältnisses.

Wie schwer der Ausbruch aus diesem Gedankengefängnis ist, dessen Gitterstäbe gerade aus den alltäglichen Begriffen und Kategorien bestehen, beweisen die Postkapitalismus-Debatten, die angesichts der eskalierenden Systemkrise nun auch den Mainstream der Massenmedien erfasst haben. Gepriesen und propagiert wird überall derzeit das Sharing als alternative Wirtschaftsweise. Aber es ist in Wirklichkeit oft nur eine Variante der Prekarisierung und des Lohndumping, von dem die kommerziellen Anbieter der "Share-Economy" profitieren. Hier findet ein bloßes Rebranding des Spätkapitalismus statt.

Und dennoch ist eine ernsthafte und tief greifende öffentliche Diskussion von Systemalternativen zum krisengeplagten Spätkapitalismus schlicht überlebensnotwendig. Das vorliegende eBook soll einen Beitrag zur Vertiefung dieser überlebensnotwendigen und notwendig kontroversen Debatte leisten. Es geht aber auch darum, die hinter diesen massenmedialen Schlagworten stehenden Konzepte ernst zu nehmen, sie mit konkreter Begrifflichkeit auszufüllen, und so deren Missbrauch durch Marketingstrategen der kommerziellen "Share-Economy" vorzubeugen. Es gilt, Begriffe wie Share-Economy, Peer-Production, Degrowth, Postwachstumsökonomie oder Allmende dem Medienzirkus streitig zu machen, um ihre totale Aushöhlung und Entwertung zu verhindern.
 Maschinen und Roboter, die immer selbständiger handeln und entscheiden sollen, ziehen als Saug- und Mähroboter, als Pflege-, Spiel-, Service- oder auch Sexroboter, als unverkörperte Agenten, als Überwachungs- oder auch als Kampfroboter in die Lebenswelt ein. Wir müssen uns an den Umgang mit den neuen Mitbewohnern unserer Lebenswelt gewöhnen und diesen müssen höchst unterschiedliche Regeln im Umgang mit den Menschen und der Umwelt einprogrammiert oder anerzogen werden. Autonome Fahrzeuge könnten bald massenhaft auf den Straßen fahren oder in der Luft fliegen. Dass sie keine hundertprozentige Sicherheit bei ihren Entscheidungen bieten, zumal wenn sie mit menschlichen Fahrern konfrontiert sind, hat sich bereits an Unfällen gezeigt.

Muss für intelligente Maschinen eine eigene Ethik entworfen werden? Müssen sie als digitale Personen verstanden werden? Können Maschine überhaupt moralische Wesen sein und sich moralisch entscheiden? Oder wird die Ethik der Maschinen letztlich immer die Ethik des Programmierers sein? Und wenn autonome Maschinen Pflichten haben, müssen ihnen dann auch Rechte gewährt werden?

Die Autoren des eBooks gehen diesen philosophischen Fragen der Technik nach, die sich angesichts der schnellen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und der autonomen Maschinen aufdrängen: Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie, Direktorin des Instituts für Philosophie der Universität Stuttgart); Prof. Dr. Oliver Bendel (Maschinenethik am Institut für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz); Prof. Dr. Raúl Rojas (Künstliche Intelligenz und Robotik an der FU Berlin); Hans-Arthur Marsiske (Philosoph und Wissenschaftsjournalist); Patrick Spät (Journalist und Buchautor); Florian Rötzer (Journalist und Philosoph).


Das vom stern im Januar 2013 dargestellte Altherrengebaren von Rainer Brüderle, der gerade nach der verlorenen Niedersachenwahl von den Liberalen zum Hoffnungsträger gekürten worden war, wurde zum medialen Aufreger. Schnell war man bei einer Sexismus-Debatte und tobte anscheinend ein neuer Kampf der Geschlechter, als ob nicht schon länger die Geschlechtsidentitäten zerfallen und sich sich von LGBT (lesbisch, schwul, bisexuell, trans) etwa zu LGBTQIA (zusätzlich queer oder questionable, intersex und asexuell) vervielfältigt hätten. Auf den ersten Blick haben sich Positionen kaum verändert. Im Unterschied zu früher wurden allerdings die Stimmen lauter, dass nicht alleine die Frauen von den Männern unterdrückt würden, sondern dass sich vermehrt die Männer vom angeblich siegreichen Feminismus diskriminiert sehen und sich als das neue schwache Geschlecht empfinden.
 
Das Telepolis-eBook geht den Sexismusvorwürfen nach und zeigt anhand von Essays, Berichten über Studien zu den Geschlechterverhältnissen und Interviews mit Wissenschaftlern, Feministinnen und mit Frauen und Männern, die mittlerweile eher den Mann benachteiligt sehen, was sich in der letzten Zeit bereits an Kampfpositionen und veränderten Perspektiven aufgebaut hat. Dabei kommen natürlich auch der Sexismus in der Sexismus-Debatte und die Kritik zur Sprache, dass die Gender-Politik überhaupt ein "Stellvertreterkrieg" ist.
 
Weil zum Geschlechterkampf auch die gelebte und propagierte Sexualität gehört, darf diese auch nicht fehlen. Während die einen vom sexuellen Glück schwärmen ("Gesundgevögelt"), nervt die anderen die zur Schau gestellte und zur Norm gewordene sexuelle Freiheit ("Wie geht's dir, was kochst du, hast du es schon einmal anal probiert?"), überdies scheint es einen Trend zur Asexualität zu geben ("Sex? Nein, danke!") und fordert der Ethikrat die Anerkennung eines "dritten oder unbestimmten Geschlechts".
Die Berichterstattung zur Krise in der Ukraine und die Berichterstattung zu Russland haben zu einem offenen Schlagabtausch zwischen den etablierten Medien und einem nicht unerheblichen Teil ihrer Rezipienten geführt.

In den Foren der großen Online-Medien hagelt es Tag für Tag Kritik an den gebotenen Deutungsnarrativen der Leitartikler und Meinungsmacher. Nachrichten sollen manipuliert worden sein, von Zensur ist die Rede, ja, ein Teil der Mediennutzer ist davon überzeugt, dass die "vierte Gewalt" bewusst einseitig berichtet.

Vertreter der traditionellen Medien brandmarken die Kritiker als "Putinversteher" und stempeln sie allzu oft allgemein als Verschwörungstheoretiker ab. In aller Deutlichkeit geben meinungsführende Journalisten zu verstehen, dass sie das Monopol auf die legitime Deutung der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit innehaben, wie es der französische Soziologe Pierre Bourdieu einmal sinngemäß in seinen Analysen des journalistischen Felds ausgedrückt hat. Der Konflikt zwischen den traditionellen Medien und ihren Rezipienten, das ist festzustellen, ist vor allem ein Kampf um die Deutungshoheit.

Dass die "Mainstreammedien", wie die großen Medien von ihren Kritikern oft bezeichnet werden, diesen Konflikt mit heraufbeschworen haben, lässt sich gut an den Beiträgen, die in diesem Buch zusammengestellt sind, ablesen. In den Interviews, Artikeln und Analysen von Telepolis-Autoren wird deutlich, dass es Problemzonen aufseiten der Medien gibt, die schon lange ersichtlich sind. Telepolis hat sich zur Veröffentlichung dieses Buches entschlossen, weil die Redaktion davon überzeugt ist, dass die zusammengestellten Beiträge in ihrer Gesamtheit ein eigenes Bild abliefern, das aufzeigt, was die Gründe für die massive Kritik an den Medien sind. Das Schließen von Leserforen, so wie es gerade die Süddeutsche Zeitung getan hat, ist ein Weg in die falsche Richtung.
 Mit dem während der Schuldenkrise durch die herausragende wirtschaftliche und politische Macht Deutschlands entstandenen "deutschen Europa" beginnt über die Flüchtlingskrise, die Rückkehr in den Kalten Krieg über den Ukraine-Konflikt und die Bekämpfung des islamistischen Terrors nun das Projekt der europäischen Staatengemeinschaft zu zerfallen. Die Linke ist in Europa trotz der Erfolge in Griechenland, Spanien und Portugal geschwächt, die Kritik an Europa artikuliert sich vorwiegend rechtsextrem.

Deutschland ist zwar so dominant in Europa, dass die übrigen Staaten und Teile der Bevölkerung angesichts der deutschen Flüchtlingspolitik der offenen Grenzen auch in Reaktion auf die vorhergehende rigorose Durchsetzung der Austeritätspolitik revoltieren, aber es ist nicht stark genug, um sich wirklich durchsetzen zu können. Weil Deutschland nur ein "halber Hegemon" ist, wird das Scheitern des liberalen Europas der offenen Grenzen durch zunehmende Konflikte und Ambivalenzen verstärkt.

Die von Flüchtlingen angeblich überrannte Festung Europa führt zum Bau neuer Mauern und Abgrenzungen zwischen den Staaten. Überall werden rechte, nationalistische, wenn nicht völkische Bewegungen, Parteien und auch Regierungen stark, Solidarität zwischen den Staaten und ihren Bevölkerungen gibt es nicht mehr, Europa wird zur Zwangsgemeinschaft, die europäische Führung durch den Rat, die Kommission und das Parlament können die auseinanderstrebenden Kräfte nicht mehr zusammenhalten.

Was sich an der Wende von 2015/2016 abspielt, ist nichts anderes, als eine historische Zäsur in der Nachkriegsgeschichte. In den hier versammelten aktuellen Gesprächen von Matthias Becker mit Ökonomen und Experten aus Experten aus Ungarn, Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland sowie den Beiträgen des EU-Korrespondenten Eric Bonse und Tomasz Konicz werden die Bruch- und Konfliktlinien der deutschen Dominanz in Europa und der Zukunft des Euros herausgearbeitet.

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