Lena erfuhr, dass ihre Vorfahren seit der Zeit Katharinas der Großen im Russischen Reich lebten und über sieben Generationen hinweg das Land bewirtschafteten. Doch 1941, als NS-Deutschland in die Sowjetunion einmarschierte, wurde Lenas Familie, zusammen mit über einer Million anderer in der UdSSR lebender Deutscher, als „Volksfeinde“ gebrandmarkt, der Spionage beschuldigt und gewaltsam in entlegene Regionen Sibiriens und Kasachstans deportiert. Als „Sondersiedler“ ertrugen sie harte Arbeit unter Gulag-ähnlichen Bedingungen, während ihre Geschichte und Kultur systematisch ausgelöscht wurden.
In ihrer Debüt-Graphic-Novel „Möge die Welt dein Zuhause sein!“ erkundet Lena Wolf, wie man einen Ort findet, um dazuzugehören, in einem Land, das ihre eigene Geschichte und Identität ausgelöscht hat. Konfrontiert mit dem Schmerz, einen Ort zu lieben, der für ihre Eltern und Großeltern ein Ort des Leidens war, begibt sich Lena auf eine Reise, um verlorene Geschichte aufzudecken, ihre gespaltene Identität zu versöhnen und nach einem Ort zu suchen, an dem sie wirklich dazugehört.
Lena Wolf wurde in Lettland geboren und wuchs in Kasachstan auf. Ihre Wurzeln reichen tief in die deutschen Dörfer der Ukraine und Südrusslands, wo ihre Eltern geboren wurden. Ihre Vorfahren gehörten zu den Deutschen, die sich während der Herrschaft von Katharina der Großen im Russischen Reich niederließen.
Kasachstan beschreibt Lena als ihre erste wahre Heimat - ein weites Land mit endlosen Steppen, leuchtenden Tulpen im Frühling und funkelndem Schnee im Winter. Doch es ist auch der Ort, an den ihre Eltern und Großmütter 1941 von Stalin deportiert wurden. Als die Deportation für dauerhaft erklärt wurde, wurde Kasachstan paradoxerweise zu einem Ort des Exils und der Heimat zugleich.
Als Teenager zog Lenas Familie unter Gorbatschows Reformen nach Deutschland. Im Land ihrer Vorfahren fühlte sich Lena jedoch überraschend fremd - eine beunruhigende Erkenntnis, dass sie selbst dort nicht dazugehörte, wo sie Heimat zu finden hoffte.
Ihre Suche nach Zugehörigkeit führte Lena nach Neuseeland, wo sie an der Victoria University in Wellington studierte. Hier begann sie, die Geschichten ihrer Vergangenheit zu erzählen - über Identität, Vertreibung und Zugehörigkeit. Sie erkannte das wachsende Interesse an diesen oft vergessenen Geschichten der Sowjetunion.
Ihr Debüt-Graphic Novel "Möge die Welt dein Zuhause sein!" ist eine Hommage an ihre Vorfahren und beleuchtet die übersehene Geschichte der Deutschen aus dem Russischen Reich. Heute lebt Lena in London und widmet sich der Bewahrung dieser Geschichten - von den Wolgadeutschen bis zu den Deutschen aus Kasachstan, der Ukraine, Russland und dem Kaukasus. Durch ihre Arbeit trägt sie dazu bei, dass diese wichtigen historischen Erfahrungen nicht in Vergessenheit geraten.