juh's Sudelbuch 1998 – 2014

Jan Ulrich Hasecke

Am 20. Juni 1998, wenige Monate vor der Bundestagswahl, durch die Helmut Kohl als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland nach 16 Amtsjahren von Gerhard Schröder abgelöst werden sollte, veröffentlichte Jan Ulrich Hasecke den ersten Text in seinem Online-Magazin ›juh's Sudelbuch‹. 16 Jahre und 630 Texte später zieht der Autor im Vorwort dieser Buchausgabe ein resigniertes Resümee: »Mit Satire und Ironie ist der Welt nicht beizukomen, weder im Jahr 1998 noch im Jahr 2014. Doch es waren die einzigen Waffen, die mir zu Gebote standen.«
Wie sein großes Vorbild Georg Christoph Lichtenberg bearbeitet Hasecke in Glossen und Essays das Zeitgeschehen so lange mit dem satirischen Seziermesser, bis die drei Grazien Dummheit, Bosheit und Verblendung in ihrer ganzen Schönheit zum Vorschein kommen. Das Sudelbuch ist ein Spiegel unserer Zeit. Es hat sich in den 16 Jahren seines Bestehens wie unsere Welt gewandelt und verändert, ohne dabei ebenso oberflächlich und aufgeregt zu werden.

Der Herausgeber des politischen Kulturmagazins ›Die Gazette‹, Fritz R. Glunk, nannte Hasecke einmal einen ›Moralisten der Moderne‹ und sagte: »Seine besten Texte lesen sich so zupackend, als kämen sie geradewegs aus der Encyclopédie von Diderot und d’Alambert.« 

Read more

About the author

Keine Angaben

Read more

Reviews

Loading...

Additional Information

Publisher
Jan Ulrich Hasecke
Read more
Published on
Jan 7, 2015
Read more
Pages
1200
Read more
Features
Read more
Language
German
Read more
Genres
Fiction / Literary
Humor / Form / Essays
Read more
Content Protection
This content is DRM free.
Read more
Read Aloud
Available on Android devices
Read more

Reading information

Smartphones and Tablets

Install the Google Play Books app for Android and iPad/iPhone. It syncs automatically with your account and allows you to read online or offline wherever you are.

Laptops and Computers

You can read books purchased on Google Play using your computer's web browser.

eReaders and other devices

To read on e-ink devices like the Sony eReader or Barnes & Noble Nook, you'll need to download a file and transfer it to your device. Please follow the detailed Help center instructions to transfer the files to supported eReaders.
Jan Ulrich Hasecke
Das Buch �ffnet Horizonte in eine Vergangenheit, ohne die wir heute nicht leben k�nnten, und eine Zukunft, die ohne uns nicht sein kann. Mit einer auf den Erkenntnissen der Biologie basierenden, spekulativen Interpretation des Demeter-Mythos zeichnet das Buch die Entwicklung des Urgetreides nach, das aus nat�rlichen S��gr�sern ›wie von selbst‹ entstanden ist. Es zeigt sich, dass die Entstehung des Urgetreides durch die Lebensgewohnheiten von vorzeitlichen J�gern und Sammlern unbewusst beg�nstigt wurde. Das heutige Saatgut ist das Erbe einer viele Jahrtausende andauernden Wechselwirkung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Nicht die bewusste Erfindung von etwas Neuem hat diesen Prozess angetrieben, sondern eine Tradition, die sich immer gleich blieb: die jahreszeitlichen Wanderungen der J�ger und Sammler und sp�ter der Rhythmus des S�ens und Erntens. Die Welt, so wie wir sie heute vorfinden, ist von den Generationen vor uns geschaffen worden und damit in ihrer Gesamtheit eine Allmende, die allen Menschen zug�nglich ist und zug�nglich bleiben sollte. Der Mensch, der die Errungenschaften der Generationen vor unser Zeit privatisiert, zerst�rt die Allmende des Seins und setzt an ihre Stelle juristische Fiktionen wie das Eigentum und das so genannte geistige Eigentum. Gegen diese Anma�ung des Eigentums wendet sich der Essay und entwickelt zur Verteidigung der Allmende einen postreligi�sen Begriff der Demut, der den Indignados dieser Welt die Kraft gibt, gegen die Anma�ung des Eigentums anzuk�mpfen.
Jan Ulrich Hasecke
Eine filmwissenschaftliche Arbeit über das Realismuskonzept in der Fernsehserie ›Dekalog‹ des polnischen Filmemachers Krzysztof Kieślowski.

Siebeneinhalb Minuten müssen die Zuschauer im Kino zusehen, wie ein junger Mann einen Taxifahrer ermordet. Er quält sich förmlich mit seinem Opfer ab. Es ist nicht leicht einen Menschen zu töten. Es dauert. Vom Rücksitz aus stranguliert er den Fahrer mit einem Seil. Mit aller Kraft. Dann verknotet er das Seil und schlägt mit einer Eisenstange auf den Kopf des Fahrers, bis er sich nicht mehr regt. Mit gebrochenen Augen starrt das Opfer seinen Mörder an. Der Junge zieht ihm einen Sack über den Kopf und schleift ihn zum Fluss. Da hört er ein Röcheln. Der Taxifahrer lebt noch. Der Junge nimmt einen schweren Stein, setzt sich auf sein Opfer, wuchtet den Stein in die Höhe und zerschmettert damit den Kopf des Taxifahrers. Abscheu und Entsetzen erfüllt die Zuschauer. Wenn ein Mörder die Todesstrafe verdient hat, dann diese Bestie! Doch dann, im zweiten Teil des Films, wird diese Bestie zum Tode verurteilt. Die Zuschauer müssen der Hinrichtung des Jungen beiwohnen. Kein Detail bleibt ihnen erspart. Und wieder empfinden sie Abscheu vor dem Töten eines Menschen. Als es endlich vorbei ist und der Abspann läuft, ist es im Kino totenstill. Wir schreiben das Jahr 1988. Der Film heißt ›Ein kurzer Film über das Töten‹ (Krótki film o zabijaniu) und ist von Krzysztof Kieślowski.

Der kurze Film über das Töten ist Teil einer zehnteiligen Fernsehserie, in der die Zehn Gebote verfilmt werden. Ihr Titel lautet ›Dekalog‹. ›Ein kurzer Film über das Töten‹ bezieht sich auf das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten. Als die Zuschauer aus dem Kino strömen, lässt der Abscheu langsam Raum für einen ersten Gedanken: Ja, es ist wahr. Du sollst nicht töten. – Kieślowski hat gerade mit den Mitteln des Kinos die Wahrheit, die Gültigkeit des fünften Gebotes demonstriert und keine Zweifel gelassen: du sollst nicht töten. Kieślowski hat den Zuschauer mit der Wahrheit des Tötens konfrontiert.

Der Film zeigte nicht das Hollywood-Klischee des schnellen Tötens im Actionfilm, nicht die Choreographie des Tötens, in der die Schüsse der Kamera und die des Maschinengewehrs einen verführerischen Totentanz aufführen. Der kurze Film über das Töten ist anders. Er ist ein Ausnahme. Er gehört zu den wenigen Filmen, die man nie vergisst. Wer damals im Kino saß und in Kieślowskis Spielfilm mit der Wahrheit des Tötens konfrontiert wurde, erlebte eine innere Wandlung. Er verließ den Kinosaal als ein anderer, weil er die Wahrheit geschaut hatte. Du sollst nicht töten.

Wie aber ist es mit den anderen Geboten? Sind auch diese Gebote wahr und noch heute gültig? Wird Kieślowski uns ihre Wahrheit ebenso eindringlich vor Augen führen? Was sollte die Gültigkeit der Zehn Gebote verbürgen, wenn nicht ihre Wahrheit? Wer sollte die Einhaltung der Gebote von uns fordern dürfen, es sei denn, er kenne die volle und ganze Wahrheit. Man kommt nicht umhin, sich mit der Frage der Wahrheit zu beschäftigen, wenn man Kieślowskis Fernsehserie untersucht. Damit aber wären wir bei einer Frage angelangt, die seit der Geburt des Kinos immer wieder diskutiert worden ist. Kann man in einem Film Wirklichkeit abbilden?

Jan Ulrich Hasecke geht dieser Frage nach. Er zeichnet die Debatte um den filmischen Realismus im 20. Jahrhundert nach und beschreibt die Entwicklung Kieślowskis vom Dokumentarfilmer zum Spielfilmregisseur. Mit dem Blick findet er schließlich ein tertium comparationis, das zwischen Film und Realität vermittelt. In einer minutiösen Filmanalyse zeigt er, wie Kieślowski Blickstrategien einsetzt, um den Zuschauer an der inneren Wirklichkeit der Filmfiguren teilhaben zu lassen, ihn emotional und intellektuell in das Geschehen hinein zu ziehen und ihn über die Mimesis der Blicke zum eigentlichen Ort des moralischen Konfliktes zu machen. 
©2017 GoogleSite Terms of ServicePrivacyDevelopersArtistsAbout Google
By purchasing this item, you are transacting with Google Payments and agreeing to the Google Payments Terms of Service and Privacy Notice.