Kindesaussetzung und Moral in der Antike: Jüdische und christliche Kritik am Nichtaufziehen und Töten neugeborener Kinder

Vandenhoeck & Ruprecht
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Die Aussetzung neugeborener Kinder, für moderne Moral fraglos unmenschlich und grausam, kam in den antiken Gesellschaften rund ums Mittelmeer vor. Daraus kann allerdings nicht der Schluss gezogen werden, Kindesaussetzung sei in der Zeit der Antike ein ganz alltägliches Phänomen gewesen. Zum einen lässt sich über deren Häufigkeit aus der Distanz von mehr als zweitausend Jahren nichts Sicheres sagen. Zum anderen gab es eine namhafte Zahl an Texten antiker Schriftsteller, in denen Kritik an der Kindesaussetzung geübt wird. Die entsprechenden Quellen sind in der vorliegenden Studie erstmals gesammelt und vergleichend analysiert. Sie zeigen ein klares Bild: Antike Menschen empfanden eine Kindesaussetzung als der Natur widersprechend und als gottlos. Eltern, die derartiges erwogen, wurden als gefühllose, rohe Menschen bezeichnet. Im Bereich des Religiösen gab es Maßnahmen wie der Ausschluss vom Heiligtum für eine bestimmte Zeit oder das Bezahlen einer Geldstrafe. Und wenn es auch bis ins 4. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung kein explizit gesetzliches Verbot der Kindesaussetzung gab, so waren etwa die frühen Christen sicher, dass ein solches Tun dereinst am Ende der Tage bestraft würde. Die antike Kritik an der Kindesaussetzung ist Zeugnis für eine breite Ablehnung derselben in den antiken Gemeinschaften verschiedener Zeiten und Orte. Sie zeigt aber auch, dass Kindesaussetzung keine Praxis sog. primitiver Völker war, sondern dass dahinter meist konkrete Nöte wie Armut oder uneheliche Geburt standen.
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About the author

Dr. theol. Christina Tuor-Kurth ist Privatdozentin für Neues Testament an der Universität Basel und Leiterin des Instituts für Theologie und Ethik beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund.

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Publisher
Vandenhoeck & Ruprecht
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Published on
Dec 9, 2009
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Pages
404
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ISBN
9783647563985
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Language
German
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Genres
Religion / Christianity / General
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Das Religionsgespräch in Regensburg 1541 fand in einer Phase der Reformation statt, in der eine Kirchenspaltung noch vermeidbar erschien. Von April bis Ende Mai 1541 diskutierten die drei altgläubigen Theologen Julius Pflug, Johannes Gropper und Johannes Eck mit den protestantischen Theologen Johannes Pistorius, Philipp Melanchthon und Martin Bucer. Als Vorlage diente ihnen das Wormser Buch, das sie Artikel für Artikel besprachen und überarbeiteten. Saskia Schultheis untersucht vor allem das Gespräch zu den Sakramenten und dabei besonders die Auseinandersetzungen um das Abendmahl, an denen das Gespräch schließlich scheitert. Einerseits rekonstruiert sie den Gesprächsverlauf, dabei spielen vor allem die flüchtigen Protokollnotizen Julius Pflugs eine Rolle. Andererseits analysiert und interpretiert sie die ausgetauschten Argumente in systematisch-theologischer Perspektive und fragt danach, welche dogmengeschichtlichen Voraussetzungen beide Parteien teilen bzw. an welchen Punkten sie unterschiedliche Wege beschreiten. Schließlich untersucht Schultheis auch die sich dem Ende des Religionsgespräches anschließenden Reaktionen und Vermittlungsversuche aus Kirche und Politik. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Beharren des Kardinals Gasparo Contarini auf dem Begriff der Transsubstantiation, den er mit dem IV. Laterankonzil 1215 für unumgänglich hält, einen erheblichen Anteil am Scheitern des Gespräches hatte. Es sind vor allem die Folgen dieses Begriffes, wie die Anbetung und die Aufbewahrung des Sakraments, die die Protestanten davon abhielten, ihn zu akzeptieren. Trotz der großen Nähe beider Parteien, finden beide aufgrund ihrer unterschiedlichen Zugänge, vor allem zu Fragen der Tradition, dennoch nicht zueinander.
Singen auch im Angesicht des Todes: von Anfang an hat das zur lutherischen Frömmigkeit dazugehört. Im Leben, im Sterben und am Grab vergewisserten sich die Christen der Frühen Neuzeit singend ihres Glaubens. Anfangs waren es einige wenige Lieder, die das Sterben ausdrücklich zum Thema machten. Doch mit dem Anwachsen der geistlichen Dichtung im 17. Jahrhundert entstand eine Fülle von neuen deutschsprachigen Liedtexten, in denen sich auch eine gesteigerte Sterbefrömmigkeit widerspiegelt. Einige davon sind im Evangelischen Gesangbuch (EG) heute noch enthalten. Lukas Lorbeer hat die Fülle gesichtet und entdeckt dabei die lutherische Konfessionskultur zuallererst als Buchkultur: Ein prägendes Medium der Frömmigkeit war das Gesangbuch. Untersucht werden die einschlägigen Rubriken von fünfzig ganz unterschiedlichen Gesangbüchern. Sie stammen aus fünf wichtigen lutherischen Territorien: aus Württemberg, Braunschweig-Lüneburg, Kurbrandenburg, Kursachsen und der Reichsstadt Nürnberg. Die große Zahl der Textautoren reicht von Martin Luther über Philipp Nicolai, Johann Hermann Schein, Paul Gerhardt und Johann Rist bis hin zu Johann Scheffler und Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt. Der Reichtum der Texte an biblischen Bezügen, Bildmotiven und geprägten Sprachformen wird in acht Einzelkapiteln von der Vergänglichkeitsbetrachtung bis zur Auferstehung detailliert erschlossen; erkennbar wird dabei eine Tendenz zur Verinnerlichung, Individualisierung und Enthistorisierung. Eine wichtige Rolle für das Verständnis der Texte spielt zudem ihre Performanz, ihr „Sitz im Leben“. Insgesamt entsteht ein umfassendes Kompendium lutherischer Todesvorstellungen bis 1700, ihrer Entwicklung und ihrer Prägekraft für die Frömmigkeit.
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