
S. L.
Peter Prange erzählt in seinem neuen Buch „Der Traumpalast“ vom Aufbruch in den goldenen 20er Jahren. Die frisch gegründete deutsche Ufa-Traumfabrik soll Hollywood Konkurrenz machen. Bei der Filmgesellschaft ging es aber ständig nur um ein Thema, nämlich die Finanzierung der Projekte. Das hat sich ziemlich trocken lesen lassen. Im Mittelpunkt des sehr opulenten Buches stehen Tino und Rahel. Er ist der Sohn eines Bankhauses, Lebemann und total von sich selbst überzeugt. Er steigt in die Traumfabrik mit ein, währenddessen Rahel versucht, als Journalistin Fuß zu fassen. Als sich ihre Wege kreuzen, ist es um Tino gleich geschehen und die beiden können irgendwie nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander. So fängt die Geschichte eigentlich sehr fesselnd an, lässt aber im Verlauf des Geschehens ziemlich nach. Am meisten hat mich eigentlich gestört, dass zwar viele historische Persönlichkeiten auf der Bildfläche erscheinen, die Geschichte an sich aber fiktiv ist. Dadurch hat es mir an Glaubhaftigkeit gefehlt und die Geschichte liest sich, wie eine unter vielen, aus dieser spannenden deutschen Zeitepoche. Die historischen Fakten sind hervorragend recherchiert, aber die Protagonisten konnten mich einfach nicht überzeugen und waren mir auch nicht sonderlich sympathisch. Gut gefallen haben mir jedoch die Schilderungen der damaligen Situation in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Fazit: ein unterhaltsamer Ausflug in die beginnende Filmwelt, mit all ihren Tücken, finanziellen Schwierigkeiten und damals noch nie da gewesenen Technologien. Die Erzählung hätte etwas weniger ausufernd ausfallen dürfen, aber durch den flüssigen Schreibstil haben sich die über 800 Seiten recht gut lesen lassen.

Sylvia Hertel
Die Geburtsstunde des deutschen Films Berlin in den goldenen 20er Jahren. Alles ist im Wandel, alles ist im Aufbruch. Der Bankier und Lebemann Konstantin Reichenbach hat eine Vision, gründet die Ufa und legt damit den Grundstein des deutschen Films. Auch die Journalistin Rahel Rosenberg möchte neue Wege gehen. Wege die einer Frau bisher verschlossen waren. Konstantin und Rahel begegnen sich eines Tages und ihr Leben nimmt eine große Wendung an. „Der Traumpalast“ ist der neue, große Historische Roman von Peter Prange. Für mich sind Peter Prange und Historische Romane untrennbar miteinander verbunden. Ich staune immer wieder welch großes Wissen der Autor von der deutschen Geschichte hat und wie viel er seinen LeserInnen zu vermitteln vermag. Mit seinem neuen Roman hat er sich dem Thema Film zugewendet. Berlin der 20er Jahre ist ein interessanter Schauplatz. Mit seinen Charakteren Konstantin und Rahel führt der Autor seine LeserInnen in die Welt des großen Films. Konstantin gründet mit dem Geld seines Vaters die Ufa und legt somit den Grundstein des deutschen Films. Es kommt die große Zeit des Stummfilms. Aber die Filme sind nicht nur zur Unterhaltung. Wie auch heute noch sind sie ein großes Medium um die Menschen in ihrem Denken zu beeinflussen. In seinem Buch lässt Peter Prange auch einige historische Persönlichkeiten die Bühne betreten was das Buch sehr athenisch werden lässt. Auch heute noch bekannte Namen aus dem Film trifft man in diesem Buch. Peter Prange schildert die Zeit und auch seine Charaktere sehr genau. Er achtet auf alle kleinen Details. Fiktion und Realität sind so fein miteinander verflochten, dass es so gut wie untrennbar ist. „Der Traumpalast“ ist ein gewaltiges Werk mit über 800 Seiten. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht um meinen Lesefluß zu finden. Nach einigen Kapiteln war es dann schwer das Buch zur Seite zu legen. Peter Prange verspricht für den Herbst 2022 eine Fortsetzung auf dir ich mich jetzt schon freue.
1 Person fand diese Bewertung hilfreich

Lea Ratzel
Peter Pranges historischer Roman "Der Traumpalast" erzählt von den Anfängen der deutschen Filmbranche und legt dabei besonderen Fokus auf die Gründung und Entwicklung der Universum Film AG. Vor dem Hintergrund zunächst des endenden ersten Weltkrieges und im weiteren Verlauf den Anfängen des Nationalsozialismus und des Aufstieges Adolf Hitlers, berichtet der Autor von aufwendig recherchierten Details des damaligen Zeitgeistes und der politischen Entwicklungen. Seine Erzählung dreht sich dabei vor allem um die beiden Protagonisten Tino und Rahel, die sich zum ersten Mal begegnen, sich kennen und lieben lernen und eine sehr außergewöhliche Beziehung zueinander eingehen. Daneben gibt es einige weitere Erzählstränge, wie etwa aus dem Blickwinkel von Tinos Eltern Gustav und Constanze, die alle mehr oder weniger miteinander verwoben sind. Schwierig war für mich dabei, dass viele Charaktere mir zutiefst unsympathisch waren, so dass ich zu kaum einer Figur eine durchweg positive Verbindung aufbauen konnte. Die Kapitel sind sehr kurz, meist 1-2 Seiten, wodurch das Buch ein rasantes Tempo vorgibt, mit dem ich, um ehrlich zu sein, nicht immer mithalten konnte. Doch mit dem Fortschreiten der Handlung hat die Geschichte mich immer mehr in ihren Bann gezogen, so dass ich das Buch trotz einiger kleiner Kritikpunkte, dann einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Geschichte ist unglaublich realistisch und detailliert erzählt, so dass maj als Leser wirklich das Gefühl hat, direkt vor Ort zu sein und mit den Figuren mitzufiebern. Trotzdem hatte ich vor allem meine Probleme mit der weiblichen Protagonistin Rahel, deren Verhalten einfach zu ehozentrisch, unüberlegt und kindisch war, so dass ich innerlich immer wieder den Kopf schütteln musste und mich mehrfach gefragt habe, warum Tino so mit sich umgehen lässt. Gleichzeitig zeigt dieser Aspekt aber auch, wie ausgefeilt die Charaktereigenschaften der Charaktere waren. Toll fand ich die verschiedenen Erzählperspektiven wie auch den breiten Fokus der Handlung, die neben der ungewöhnlichen Liebesgeschichte von Tino und Rahel ein umfangreiches Wissen über die Entwicklung der deutschen Filmgeschichte bot, aber auch einen Einblick in die soziale Situation der Bevölkerung zwischen den beiden Weltkriegen. Abgerundet wurde dies durch die nahegehenden Schilderungen des politischen Zeitgeschehens in ganz Deutschland, so dass dieses Buch bei mir wirklich einige Wissenslücken füllen konnte und mich, trotz der Kritik, letztendlich sehr beeindruckt hat!