Stadtgeschichte als Kindheitsgeschichte: Lebensräume von Großstadtkindern in Deutschland und Holland um 1900

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Fragestellung und Ausblick auf erste Ergebnisse Wir wollen das Quartier als sozialen Raum an der Hand unserer Erz?hler ken nenlernen, sie sollen uns mit ihren Erz?hlungen in diesen uns fremden Raum einfuhren. Aus dem, was sie und wie sie es uns berichten, wollen wir die Ele mente fur die Rekonstruktion des, Sozialen' gewinnen. Als Ort des Sozialen be trachten wir den offentlichen Raum in der Stadt, das AuBerh?usige. Es interes sieren uns hier die Innenr?ume der H?user nur insoweit, als deren Tiiren auf und zu gehen und die Bewohner ein und aus lassen. Tiir, Fenster und Schwelle als Vermittlerinnen zwischen Drinnen und DrauBen. Dasselbe gilt fur die Ar beitsst?tten der Bewohner. Es geht uns aber nicht um das Soziale schlechthin, sondern darum, wie Kinder daran teilnahmen. Aufgrund ihrer Stellung in der Familie und in den Generationsketten sind Kinder keine von Erwachsenen un abh?ngigen Teilhaber am sozialen Leben im Quartier. Wir wollen wissen, wie sie untereinander und in der Verbindung mit erwachsenen Quartiersbewohnern das soziale Leben miterfuhren und mitbestimmten. Verdichtung, Vermischung, Segregation Unter welchen Gesichtspunkten betrachten wir den miindlich iiberlieferten sozialen Kindheitsraum in Wiesbaden und Leiden? Eine Grundtendenz zivilisa torischer Entwicklung, der wir auf die Spur kommen mochten, ist die Entmi schung von Personen, Handlungen, Orten und Zeiten als Bestandteil und Aus drucksform eines langzeitigen Prozesses der voranschreitenden Ausdifferenzie rung gesellschaftlicher Handlungsfelder und Handlungsketten. Im Zuge dieser Entwicklung werden die genannten Elemente entflochten und - im Hinblick auf spezialisierte Zwecke - neu zusammengesetzt.
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Additional Information

Publisher
Springer-Verlag
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Published on
Nov 11, 2013
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Pages
444
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ISBN
9783663056898
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Best For
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Language
German
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Genres
Social Science / General
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Wenn Zeitzeugen Über ihre biographischen Erfahrungen und Erlebnisse während des "Dritten Reiches" erzählen, so stellt dies einen Versuch der Bewältigung - wie erfolgreich auch. immer - dieser fragwürdig gewordenen Vergangenheit dar. Die vorlieger. de Studie konzentriert sich auf diese Form der Vergangenheitsbewältigung im Sinne einer alltagsweltlichen "Methode" biographischer Thematisierungen zur Aufarbeitung individueller und kollektiver Vergangenheit. Es wird gefragt, wie ehemalige Mitglieder der Hitlerjugend und Angehörige der deutschen Wehrmacht ihre lebensge schichtlichen Erlebnisse und Erfahrungen während des "Dritten Reiches" verarbeitet haben. Inwiefern ist es dieser Generation gelungen, sich von ihrer Sozialisation im Nationalsozialismus und den von ihnen interna- sierten Bestandteilen der NS-Welb~schauung wieder zu befreien? Haben sie sich mit ihren lebensgeschichtlichen Erfahrungen in dieser Zeit und mit den von ihnen internalisiert, om Deutungen von gesellschaftlicher Wirklichkeit auseinandergesetzt; ':laben sie Überhaupt thematisiert, wozu sie in dieser Zeit erzogen werden,3011ten und ob diese Erziehung Einfluß auf ihre Persönlichkeitsentwicklunq hatte? Diesen Fragen wird anhand der Analyse von erzählten Lebensgeschichten nachgegangen. Dieser Zugang, Menschen Über vergangene Epochen zu befragen, wird häufig von Sozialwissenschaftlern in den Bereich der "Oral History" und damit in die Geschichtswissenschaft verwiesen. Diese Zuordnung ist m. E. als Ausdruck einer a-historischen Ternjenz innerhalb unserer Disziplin anzu sehen. So wird zwar von Vertretern der Biographieforschung immer wieder gefordert, bei der Analyse von Lebomsläufen eine historische Betrachtung einzunehmen (vgl. KOHLI 1980: 307) ; die Einlösung dieses Anspruchs läßt jedoch noch auf sich warten.
In ihrer Einführung in die Kindheitsgeschichte bietet Martina Winkler einen systematischen Überblick zu den faszinierenden Fragen und Perspektiven der historischen Kindheitsforschung. Inspiriert von verschiedenen Disziplinen wie der Literaturwissenschaft, der Soziologie und der Erziehungswissenschaft, analysiert die Kindheitsgeschichte historische Veränderungen dessen, wie Kindheit gedacht, gelebt, geregelt und dargestellt wurde. Sie nimmt damit die historischen Wurzeln aktueller Erziehungsideale und Kindheitsbilder in den Blick, fragt aber auch nach grundlegenden Brüchen und beschreibt oft Vorstellungen, die heutigen Selbstverständlichkeiten fundamental widersprechen. Die häufig zitierte Annahme, Kindheit sei eine Erfindung der Moderne, während Kinder im Mittelalter schlicht »kleine Erwachsene« waren, erweist sich dabei nicht als falsch, aber doch als zu wenig differenziert. Kindheit ist ein soziales und kulturelles Konstrukt, abhängig von sozialen Notwendigkeiten, politischen Ideologien und moralischen Werten. Als ein solches Konstrukt bildet Kindheit ein grundlegendes Element zur Strukturierung von Gesellschaften und einen spannenden, faszinierenden Spiegel für das Verständnis heutiger wie vergangener sozialer Ordnungen. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kindheit gehört zu den intellektuell – und nicht selten auch emotional – herausforderndsten Bereichen aktueller Forschung.Das Buch bietet Studierenden, Forschern und der interessierten Öffentlichkeit eine Einführung in Thematik, Fragestellungen und Forschungskontroversen und eröffnet so Perspektiven für die selbständige Arbeit am Thema.
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