Theorie und Erfahrung: Begriffsformen, Wissenschaftssprache, empirische Signifikanz und theoretische Begriffe

Springer-Verlag
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Als zweiter Band dieser Reihe war ursprünglich eine Gesamtdarstellung der wissenschaftlichen Begriffs-und Theorienbildung geplant. Wegen des Materialumfanges habe ich mich entschlossen, gewisse Themen vorwiegend technischen Inhalts, vor allem die Definitionslehre und die Axiomatik, in diesem Buch nicht zu erörtern, um mich um so besser auf wissenschafts theoretisch wichtige und interessante Problemkreise konzentrieren zu können. Die Weglassung läßt sich auch dadurch rechtfertigen, daß diese anderen Gebiete in zunehmendem Maße in Logiklehrbüchern behandelt werden. Zahlreichen Autoren und Kollegen fühle ich mich verpflichtet. An dieser Stelle möchte ich diejenigen nennen, welchen ich die entscheidenden Impulse verdanke. Die Methode zur Behandlung der Theorie der Begriffsformen, welche im ersten Kapitel zur Sprache kommt, habe ich hauptsächlich von C. G. HEMPEL und R. CARNAP gelernt. Ich wähle hier zwar einen konstruktiven und keinen axiomatischen Weg; doch habe ich außerdem den tiefschürfen den Analysen auf axiomatischer Basis von P. SUPPES viel entnommen. Der erste Abschnitt des zweiten Kapitels wurde durch die Lektüre eines Werkes von E. NAGEL angeregt. Für die Klärung verschiedener Details, insbesondere bezüglich der korrekten Formulierung der Axiome von I. NEWTON im modernen logischen Symbolismus, brachten die Gespräche mit Herrn H. ANGSTL, München, viel Gewinn. Der zweite Abschnitt stützt sich auf die naturphilosophischen Schriften von H. REICHENBACH zum Raum-Zeit-Problem. Analoges gilt weitgehend auch vom dritten Abschnitt.
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Publisher
Springer-Verlag
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Published on
Nov 27, 2013
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Pages
493
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ISBN
9783642658358
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Best For
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Language
German
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Genres
Juvenile Nonfiction / Science & Nature / General
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Wolfgang Stegmüller
1. Falsche Orientierung am groBen Bruder? Auf die Frage nach dem Gegenstand der Wissenschaftstheorie konnte man die Antwort geben: "Kein Mensch weiB, wovon die Wissenschafts theorie handelt; denn sie ist eine Disziplin ohne Objekt." Dies wtirde an die Art und Weise erinnern, in der einst B. RUSSELL die Mathematik charak terisierte. Aber wahrend er in der fUr ihn typischen humorvollen Weise auf das Problem der mathematischen Erkenntnis hinweisen wollte, konnte die vorliegende Antwort durchaus ernst gemeint sein und das heiBt hier: durchaus boshaft. Die Behauptung lieBe sich durch einen Vergleich mit der Situation in der Philosophie der Mathematik stUtzen. Die Entwicklung der Philosophie der Mathematik zu einer exakten Wissenschaft, genannt Metamathematik, ist durch die mathematische Grundlagenkrise hervorgerufen worden. Da diese Krise durch die Entdeckung der mengentheoretischen Antinomien aus gelost wurde, wird sie oft so dargestellt, als habe es sich dabei urn ein tragisches Ereignis in der modernen Mathematik gehandelt. Betrachtet man diesen V organg unter dem Aspekt der Wirkung, so ge langt man eher zu der gegenteiligen Beurteilung: Die Entdeckung von Antinomien war em hochstgliicklichesEreignis; denn sie bewirkte denZwang zur Formalisierung und Prazisierung des Erkenntnisgegenstandes der Phi losophie der Mathematik. Intuitive V orstellungen vom mathematischen Denken wurden durch genau beschreibbare Objekte ersetzt und die Philo sophie der Mathematik entwickelte sich zur mathematischen Grundlagen forschung, die in allen ihren Verzweigungen zu Disziplinen ftihrte, die der Mathematik an Prazision nicht nachstanden und die heute selbst als Teile der Mathematik angesehen werden.
Wolfgang Stegmüller
In dies em Buch wird der Versuch gemacht, in systematischer Einheit lichkeit eine Reihe von philosophischen und wissenschaftstheoretischen Fragen zu behandeln, die gewohnlich isoliert erortert werden. Da Kiirze und Eleganz der Darstellung oft nur damit erkauft werden, daB bei der Lektiire Verstandnisschwierigkeiten auftreten, habe ich mich bemuht, das Buch angenehm lesbar zu gestalten und nehme den Vorwurf gelegentlicher Weitschweifigkeit gem auf mich. Obwohl es mein Bestreben war, die vorhandene Literatur moglichst vollstandig zu berucksichtigen, durfte mir der eine oder andere wichtige Beitrag entgangen sein. Ebenso werden vermutlich zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches einige darin vorgetragene Gedanken durch inzwischen erfolgte Publikationen bereits uberholt sein. In der heutigen Zeit weltweiter intensiver Forschung und Wissenschaftsexplosion auf allen Gebieten durfte dies das Schicksal jeder groBeren Veroffentlichung sein, die einen umfassenden Themenkreis systematisch darzustellen intendiert. Die folgenden technischen Erlauterungen mogen bei der Lektiire des Buches beachtet werden: Wenn innerhalb des Textes auf einen Abschnitt ohne ausdrUckliche Angabe eines Kapitels Bezug genommen wird, so ist stets dasse/be Kapitel gemeint, in dem sich der fragliche Text findet. Wird hingegen auf einen Abschnitt eines anderen Kapitels verwiesen, so wird die romische Ziffer des Kapitels, gefolgt von der arabischen Ziffer des Ab schnittes angegeben, ohne daB die Worte "Kapitel" oder "Abschnitt" verwendet werden. So z. B. bedeutet VI,3 dasselbe wie: Kap. VI, Ab schnitt 3. In Kapite1n mit langeren Abschnitten werden die letzteren auch noch in Unterabschnitte gegliedert, wobei kleine lateinische Buchstaben verwendet werden (also z. B. VI,3. c).
Wolfgang Stegmüller
Als zweiter Band dieser Reihe war ursprünglich eine Gesamtdarstellung der wissenschaftlichen Begriffs- und Theorienbildung geplant. Wegen des Materialumfanges habe ich mich entschlossen, gewisse Themen vorwiegend technischen Inhalts, vor allem die Definitionslehre und die Axiomatik, in diesem Buch nicht zu erörtern, um mich um so besser auf wissenschafts theoretisch wichtige und interessante Problemkreise konzentrieren zu können. Die Weglassung läßt sich auch dadurch rechtfertigen, daß diese anderen Gebiete in zunehmendem Maße in Logiklehrbüchern behandelt werden. Zahlreichen Autoren und Kollegen fühle ich mich verpflichtet. An dieser Stelle möchte ich diejenigen nennen, welchen ich die entscheidenden Impulse verdanke. Die Methode zur Behandlung der Theorie der Begriffsformen, welche im ersten Kapitel zur Sprache kommt, habe ich hauptsächlich von C. G. HEMPEL und R. CARNAP gelernt. Ich wähle hier zwar einen konstruktiven und keinen axiomatischen Weg; doch habe ich außerdem den tiefschürfen den Analysen auf axiomatischer Basis von P. SuPPES viel entnommen. Der erste Abschnitt des zweiten Kapitels wurde durch die Lektüre eines Werkes von E. NAGEL angeregt. Für die Klärung verschiedener Details, insbesondere bezüglich der korrekten Formulierung der Axiome von I. NEWTON im modernen logischen Symbolismus, brachten die Gespräche mit Herrn H. ANGSTL, München, viel Gewinn. Der zweite Abschnitt stützt sich auf die naturphilosophischen Schriften von H. REICHENBACH zum Raum-Zeit-Problem. Analoges gilt weitgehend auch vom dritten Abschnitt.
Wolfgang Stegmüller
Skeptiker aller Schattierungen nicht gern zur Kenntnis, daft sie ihren Standpunkt nicht beweisen konnen. Eine solche komplexe Feststellung provoziert geradezu das emporte Aufbegehren: "Dies kann doch unmoglich dein letztes Wort sein. Irgendeine Losung in der einen oder anderen Richtung muB es doch geben!" Dazu kann ich nur sagen: "Diese, Losung' hast du jederzeit in der Hand: Entscheide dich!" Hier trage ich allerdings an einer gewissen, bei man chen Lesern entstandenen Begriffsverwirrung vermutlich selbst Schuld. Obwohl es mir schien, daB aus dem jeweiligen Kon text hinreichend klar hervorgehe, was ich mit "unentscheid bar" meine, sind einige Leser tiber die Doppeldeutigkeit dieses Wortes gestolpert. Wenn ich sage, daB das Problem der Metaphysik absolut unentscheidbar sei, so verwende ich das Wort "entscheidbar" in einem rein theoretischen Sinn (in Analogie zu dem allerdings viel spezielleren Sprachge brauch, nach dem man sagt, Godel habe ftir sein Unvoll standigkeitstheorem einen formal unentscheidbaren Satz konstruiert). Gemeint ist, grob gesprochen: "Diese Frage laBt sich nicht durch reines Nachdenken entscheiden". Da gegen ist es gerade meine Auffassung, daft das Problem, ob hie et nunc eine echte, gelten zu lassende und anzuerkennende Einsicht vorliegt, allein durch meine personliche Gewissens entscheidung, fur die ich nur mir selbst gegenuber verant wortlich bin, gelost werden kann. Mein personliches Gewis sen ist nicht nur bei ethischen Entscheidungen die oberste Instanz, sondern auch bei den scheinbar ganz entsubjekti vierten objektiv-wissenschaftlichen Sachfragen. Dies ist eine Entscheidung im praktischen, nicht-theoretischen Sinn.
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